Ein Projekt für SchülerInnen der Wilhelm Hauff Grundschule (Berlin Wedding)

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gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung in der Fördersäule I

Im Projekt MUMIENSCHANZ erfinden wir gemeinsam mit den Schülern eine Musik, die auf Sprachmelodien basiert. Der Satz, den wir dazu ausgewählt haben stammt aus einem Text von Giacomo Leopardi und beschreibt eine Situation vor etwa 400 Jahren. Der berühmte Mumifikator Frederik Ruysch wird in seiner Wunderkammer davon überrascht, wie seine Mumien um Mitternacht lebendig werden und merkwürdige Geräusche von sich geben. Er fragt sich: "Zum Teufel, wer hat diesen Mumien Musikunterricht gegeben, dass sie um Mitternacht anfangen zu krähen wie die Hähne?"

ZUM HÖREN: Sendung über Mumienschanz im rbb-kulturradio

Historischer Kontext: Das Verfahren, dem gesprochenen Wort seine Melodien abzulauschen wurde im 19. Jahrhundert insbesondere vom Komponisten Leos Janácek entwickelt. Er "lauschte der Mücke, der Fliege und der traurigen Melodie der Eule", fixierte Schwalbenzwitschern, Finkenschlag und die Stimmentwicklung seines Hundes Cipera, notierte sich das Kichern der Fabrikmädchen und das Geschrei der Marktweiber und hielt später, während eines Besuchs in London, mehr als hundert verschiedene Intonationen des Wortes "yes" in Noten fest.



Mumienschanz - Sprachmelodien und experimentelles Musiktheater from experimentelle musikvermittlung on Vimeo.




"Wenn mich jemand ansprach, habe ich seine Worte vielleicht nicht verstanden -- aber den Tonfall! Sprachmelodien sind der Ausdruck des Gesamtzustandes des Organismus und aller Phasen der geistigen Tätigkeit, aus welcher sie hervorgehen. Sie zeigen uns den blöden und den vernünftigen Menschen, den schläfrigen und den geweckten. Sprachmelodien, das sind meine Fensterchen in die Seele."

Uday Krishnakumar ist ebenso wie damals Janácek fasziniert von den verborgenen Melodien, die der Sprache innewohnen.
Obwohl als musikalisches Verfahren schon vor rund hundert Jahren entwickelt, erscheint mir diese Methode unheimlich modern oder beinahe zeitlos: wie hören uns selbst und unserem Gegenüber intensiv zu und tauchen in die hinter dem Wort verborgenen Klänge und Melodien ein. Es erschließt sich eine fast unerschöpfliche Vielfalt an Klängen, Tonhöhen und Rhythmen. Wir möchten die Jugendlichen animieren, sich auf diesen ihnen selbst innewohnenden Reichtum einzulassen und unter unserer Anleitung schöpferisch damit umzugehen.




Team

Uday Krishnakuma, Komponist

Tobias Ribitzki, Regisseur

Susan Poeschl, Fotos